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Interview mit Prof. Jan-Erik Baars: Design of the Future

Erzähle uns etwas zu deinem Werdegang,wie bist Du zum Design gekommen?

Per Zufall, und dann doch wieder nicht: Ich war schon immer daran interessiert, wie man gestaltet, wie Neues entsteht und wieman Bestehendes verändern und verbessernkann. Als ich mit der Schule fertig war,wusste ich nicht, welchen beruflichen Weg man da einschlagen kann. Zuerst dachte ich an Architektur oder Maschinenbau, per Zufall entdeckte ich dann Industriedesign. Aber erst musste ich, ähnlich wie Peter, meine Hörner im Leistungssport abstossen! Aber nach dem Eintritt in die Berufswelt 1990 bei Philips war es dann ganz und gar Design.

Jan-Erik Du bist ausgebildeter Industrie Designer, was hat dich dazu bewogen in die Design Lehre/Forschung zu gehen?

Gefühlt war ich dort schon von Anfang an. Ich habe den Beruf immer auch als Forschung verstanden, denn alles, was ich au den Tisch bekam, musste ich erst erforschen. Und das ist immer noch so!

Viele Ansätze im Design sind ‚aus dem Bauch heraus“ aber es gibt auch viele Methoden und Ansätze die systemisch sind, und erst mal verstanden werden wollen. Ich habe mich also schon während meiner Tätigkeit für Themen rund um das Design interessiert, wie auch Designmanagement. Nach über 20 Jahren in der Industrie fand ich, dass es spannend wäre, Erkenntnisse und Wissen weiterzugeben, diese aber auch für mich weiter zu vertiefen. So bin ich an die HSLU gekommen, lehre aber auch an einigen anderen Hochschulen. Von 2011 bis 2019 habe ich den Studiengang Design Management geleitet, wo ich bestrebt war, das Berufsbild des Designmanagers neu zu gestalten und zu fördern. Seit 2019 bin ich am Department Wirtschaft, wo ich versuche, Gestaltung als Kompetenz von Betriebswirten zu fördern. All dies mache ich in Teilzeit, denn ich habe immer einen Fuss in der Wirtschaft behalten: Seit vielen Jahren berate ich Unternehmen in Design- Themen.

Was ist Dein Fazit nach mehreren Jahren als Studienleiter im Bereich Design Management an der HSLU?

Dass es schwierig ist, Design in einem Designumfeld weiterzuentwickeln. Viele ‚Departemente“ machen sich ihrem Namen alle Ehre, sie sind ‚departed“, also losgelöst von anderen Fachbereichen. Es fehlt noch viel an interdisziplinärem Austausch, man ist noch zu viel bei sich. Trotzdem ist das Designmanagement gut entwickelt und ich habe viele Alumni in großartige relevante Jobs in die Wirtschaft wechseln sehen. Design entwickelt sich an der Hochschule jetzt in anderen Departementen, so, wie es sein soll. Design ist viel zu wichtig, als dass man es nur den Designern überlässt. So haben wir jetzt auch viele Weiterbildungskurse mit Designbezug: An der Wirtschaft, bei Design und Kunst und auch an Technik und Architektur.

Wann hast du zum ersten Mal gespürt, das Design als Ganzes nicht nur gemacht, sondern geführt werden muss?

Als ich bei Philips merkte, dass Designarbeit oft nachgelagert und falsch eingesetzt wurde. Das Briefing für die Designer war damals oft unzureichend und veranlasste die Designer selbst ihr Briefing zu verfassen. Dies führte oft zu Verzögerungen, Konflikten, nicht aufeinander abgestimmten Lösungen. Es gab einfach keine klare Struktur, die Designarbeit zu führen. Mein Weg in das Designmanagement ist daher entstanden: ich wollte hier mitgestalten und die Führung von Designfragen verbessern. Das mache ich also bis heute!

Viele Unternehmen stehen dem Thema Design immer noch eher skeptisch gegenüber, woran liegt das?

Eben aus obengenannten Gründen: Design ist noch zu wenig ‚normal“ und noch zu sehr ‚exotisch“. Viele Unternehmen scheinen vergessen zu haben, dass sie immer gestalten, auch wenn sie das nicht bewusst tun. 

Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein Design. Ob dieses Design Erfolg haben wird, hängt vor allem davon ab, ob die Gestaltungsarbeit bewusst geplant und professionell durchgeführt wird. Viele Unternehmen glauben aber nach wie vor, dass, wenn sie nur gut managen, sie damit genug tun für den Erfolg. Aus dieser Perspektive erscheint Design wie ein Risiko, weil es viel hinterfragt, am Status Quo rüttelt und vom Unternehmen abverlangt, dass es sich kümmert, dass es kreativ wird. Dieser Aufwand (der auch einer ist!) ist für viele Unternehmen abschreckend: man befürchtet Kosten und Zeitverlust, man hat Angst vor Veränderung. Viele verwalten lieber, als dass sie gestalten. Diese Haltung wird jedoch für viele fatal: Denn Kunden kaufen das, was Unternehmen gestalten – wie diese sich verwalten ist ihnen egal!

Du bist Autor des Buches «LEADING DESIGN» was sind die unterschiedlichen Reaktionen auf dieses Buch?

Mit diesem Buch versuche ich, die genannten Probleme im Umgang mit Design zu beschreiben und dem Leser Methoden an die Hand zu geben, Design besser einzusetzen und zu führen. Es richtet sich also nicht nur an Designer, sondern vor allem an Manager. Entsprechen kaufen viele Designer das Buch und schenken es ihren Managern, damit diese lernen, wie man Design aktivieren und nutzen kann. So habe ich von vielen Unternehmen vernommen, die mein Buch an Führungskr.fte verteilt haben. Das finde ich grossartig. Jetzt ist auch die englische Übersetzung draussen und zieht langsam ihre Kreise. Es ist schon ein wenig wie eine
Missionsarbeit…

Ist ein zweites Buch geplant und wenn Ja, weisst du schon was das Thema sein wird?

Ich habe sogar zwei geplant. Eines wird eine kommentierte Sammlung meiner Texte, die ich über die letzten 12 Jahren veröffentlicht habe. Ich denke, da sind viele Anregungen dabei, die dazu beitragen können, dass Gestaltung wieder an Wert gewinnt. Und dann arbeite ich an einem Fachbuch zur verbesserten Ausrichtung von Unternehmensfunktionen in Bezug auf Gestaltung.

Als Verwaltungsrat der VETICA Group AG, hast Du einen guten Einblick in eine international ausgerichtete Design Agentur, was ist Dein Eindruck wohin die VETICA Reise geht?

Die Vetica Group gestaltet aktiv mit am Trend hin zu mehr ganzheitlicher Unterstützung von Unternehmen. Damit macht sie etwas, dass bisher nur wenige versuchen und können: Sie spannt eine Brücke zwischen den klassisch getrennten Disziplinen von Marke und Design, mit dem Ziel, konsistente und differenzierende Kundenerlebnisse zu erzeugen. Vor dem Hintergrund, dass Unternehmen meist Probleme mit ihren Silostrukturen haben, ist dieser Ansatz perfekt geeignet, die Wirkung der Leistung von Unternehmen auf Kunden zu verbessern. Gerade für KMU ist dies ein wichtige Unterstützung, denn diese haben oft nicht die Ressourcen selbst Designführung zu etablieren, jedoch benötigen sie das dringend. Und hier kann Vetica liefern! Daher erwarte ich für die Zukunft mehr Mandate, in denen es darum geht, Rahmenbedingungen für Design zu optimieren. Aber auch die klassische Gestaltungsarbeit bleibt wichtig, denn sie erzeugt letztendlich das, was Kunden wirklich wollen: Relevante Lösungen, die sinnvoll sind!

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